101 Jahre Roter Oktober

Im Folgenden veröffentlichen wir die Rede von Michael Kubi zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution. Sie wurde am 4. November 2017 auf der Konferenz “Der Zukunft wegen” in Heidenau bei Dresden gehalten.

Liebe Genossinnen und Genossen. An dieser Stelle möchte ich meinen Dank an die Veranstalter ausrichten, dass ich hier zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution referieren darf.

Mein Thema beinhaltet wohl eine, wenn nicht die, erfolgreichste Episode der menschlichen Geschichte, den Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion unter der Führung von Lenin und Stalin.

Ich stehe hierbei jedoch vor dem Problem, diese komplexe und spannende Geschichte auf maximal 40 Minuten zu kürzen. Es ist daher nicht möglich auf alle Ereignisse dieser Periode einzugehen und ihnen gerecht zu werden.

Daher konzentriere ich mich bei meinem Vortrag auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Sowjetunion. Dieser wirtschaftliche Erfolg basierte auf die Anwendung des wissenschaftlichen Sozialismus in der Ökonomie, dem gesellschaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln und der zentralen Planwirtschaft. So erfolgreich die ökonomische Entwicklung in der Sowjetunion in den 1930ern und darauffolgenden Jahrzehnten war, so war und wird sie von den Antikommunisten angegriffen.

Die zentrale Planwirtschaft in der Sowjetunion wird als bürokratisch, unflexibel, undemokratisch und ineffizient angesehen. Generell wird der Zentralismus als solcher angegriffen. Man spricht nicht selten von Kommandowirtschaft. Die Planwirtschaft habe nicht die Bedürfnisse der Bevölkerung sichern können, war wirtschaftlich ein Misserfolg und einige Kampagnen wie die Kollektivierung der Landwirtschaft ruinierten die Bauernschaft usw.

Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass dieses Propagandabild nicht den Tatsachen entspricht.

1. Russische Wirtschaft vor der Revolution und die Wachstumsraten in der Planwirtschaft:

Um die Bedeutung der wirtschaftlichen Erfolge der Sowjetunion zu charakterisieren, ist es wichtig, die Lage vor der Oktoberrevolution zu kennen.

Das zaristische Russland war vor der Revolution überwiegend ein Agrarland mit einigen wenigen Industriezentren. Tatsächlich sind diese Industriezentren in den zwei Jahrzehnten vor der Oktoberrevolution gewachsen, dennoch war Russland verglichen mit den anderen Industrienationen sehr rückschrittlich:

Vor der Revolution arbeiteten noch 80% in der Landwirtschaft.

Die Arbeitsproduktivität betrug ein Viertel der USA.

Russland war abhängig von Importen, vor allem der Import von Eisen und Stahl, wie von Maschinen aller Art.

Ein Großteil des Kapitals gehörte ausländischen Konzernen

Bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung verschiedener Staaten gibt es eine interessante Quelle: Angus Madison: Monitoring the World Economy 1820 – 1992

Madison sammelte die Daten zum BIP pro Person von 56 Staaten, zurückgehend bis zum Jahr 1820.

Seine Daten zeigen, dass Staaten die 1820 “reich” waren sich schneller entwickelten als die armen Länder. Dadurch öffnete sich die Schere zwischen armen und reichen Staaten zunehmend. Ob ein Land sich zum Industrieland entwickeln konnte oder ein Entwicklungsland blieb, hing also von seinen Ausgangsbedingungen ab.

Besonders interessant ist die Entwicklung in Russland/Sowjetunion. Es gehörte zu den Ländern mit dem geringsten BIP und das änderte sich in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg nicht großartig.

Aber ab 1928 hatte es die größten Wachstumsraten unter den untersuchten Staaten. Wenn man die Jahre des Zweiten Weltkrieges nicht mit zählt, wuchs der sowjetische BIP jährlich zwischen 1928 und 1970 5 – 6%, 1970 – 75 3,7% und 1975 – 80 2,6% und ab 1980 “nur” noch 2%. Aber selbst wenn man die “niedrigeren” Wachstumszahlen ab 1970 hinzurechnet, wuchs die sowjetische Wirtschaft schneller als die der anderer Staaten.

Die meisten westlichen Ökonomen sind sich, trotz der Propaganda, einig, dass, besonders in den Jahren 1928 bis 1970, die Sowjetunion unheimliche Wachstumsraten hatte.

Der Wirtschaftshistoriker Gerschenkron schätzte, dass das jährliche Wachstum für die Gesamtindustrie zwischen 1928 und 1932 20,35% und zwischen 1928 und 1940 jährlich durchschnittlich 17,5% betrug. (Gerschenkron, A. (1947): The Rate of Growth in Russia, Journal of Economic Histroy Vol. 7, Supplement, S. 161 – 165)

Abram Bergson berechnete das Wirtschaftswachstum pro Kopf, wobei er das amerikanische (1869/1908) mit dem sowjetischen (1928/1940) Wirtschaftswachstum verglich. Seine Zahlen belegen, dass es in der Sowjetunion in fast allen Jahren größer war als das amerikanische.

In der Periode 1928 – 1955 war das wirtschaftliche Wachstum in der Sowjetunion fast 3 mal so groß wie in den USA im selben Zeitraum. Selbst in den Kriegsjahren war das sowjetische Wirtschafts-Wachstum in etwa so groß wie in den meisten Jahren der USA. Die höchsten Werte für die USA lagen zwischen 1869-78 und diese waren geringer als in der Sowjetunion. (Bergson, A. (1961): The Real National Income of Soviet Russia since 1928, Harvard University Press, Cambridge, S. 264)

Dieses hohe Wirtschaftswachstum wurde auch von Robert C. Allen in seinem Werk “From Farm to factory” bestätigt. Sein sorgfältig recherchiertes Buch beweist, dass die Sowjetunion eine der erfolgreichsten wirtschaftlichen Entwicklung hatte. (Allen, R. C. 2003. From Farm to Factory, New Jersey: Princeton University Press)

Der Wirtschaftshistoriker Girsh Khanin veröffentliche 2003 eine Studie über die Entwicklung der Planwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1950er Jahre. Er bezeichnete diese Periode als das sowjetische Wunder, als die goldene Zeit der Planwirtschaft. Die Sowjetunion erholte sich schnell vom Krieg, das Wirtschaftswachstum war am höchsten, der Lebensstandard stieg am schnellsten und die technische Entwicklung war bahnbrechend. Nach Jahren des schweren Aufbaus in den 1930ern sowie den Zerstörungen im zweiten Weltkrieg, konnten die Früchte der Planwirtschaft geerntet werden. Doch Khanin stellte fest, dass ab Ende der 1950er Jahre das wirtschaftliche Wachstum der Sowjetunion zu bröckeln begann. (The 1950s – the triumph of the Soviet Economy, Europa-Assia-Studies, 2003, Vol. 55, No. 8, S. 1187-1212)

2. Von der NEP zu den Fünfjahrplänen

Die Industrialisierung der Sowjetunion wurde ab 1928 mit den sog. 5 Jahresplänen durchgeführt. Die Periode des vorherigen Jahrzehntes war die Zeit der neuen Ökonomischen Politik (NEP). Die NEP wurde als Atempause verstanden, nach den Zerstörungen des 1. Weltkrieges und des Bürgerkrieges.

Es existierten mehrere Eigentumsformen nebeneinander: die Großindustrie war unter staatlicher Kontrolle, die Landwirtschaft war durch kleine Bauernhöfe mit Einzelbauern charakterisiert. Kollektivwirtschaften waren kaum vorhanden, entwickelten sich aber.

Die Wirtschaft erholte sich schnell, Ende der 1920er Jahre wurde der Vorkriegsstand der Produktion erreicht. Aber die NEP hatte auch ihre Schattenseiten: die Arbeitslosigkeit betrug 10% und die Einzelbauernwirtschaft waren auf lange Sicht nicht produktiv genug, um das Land zu industrialisieren. Weiterhin bestand das Problem, dass kapitalistische Elemente, z. B. die Kulaken im Dorf, erstarkten. Ab 1927/28 war der Zustand erreicht, dass man zur Industrialisierung und Kollektivierung der Landwirtschaft übergehen konnte.

Anders als die Industrialisierung in kapitalistischen Ländern, bei denen zuerst die Leichtindustrie florierte, hatte die Sowjetunion die Schwerindustrie gefördert. Zur Schwerindustrie gehören u. a. die Produktion von Maschinen, die Förderung von Rohstoffen, die Gewinnung von Energie. Die Leichtindustrie beinhaltet die Konsumgüterindustrie.

Warum ist das so wichtig, dass in einer Planwirtschaft die Schwerindustrie gefördert wird? Die Leichtindustrie ist über kurzfristige Zeiträume profitabler, weil sie weniger Kosten verursacht (z. B. durch weniger Investitionen), dafür aber eine unabhängige und zukunftsorientierte Wirtschaft erschwert.

Die Schwerindustrie hingegen liefert die Rohstoffe, die Energie, die Maschinen und Technik. Diese sind aber die Voraussetzungen für eine funktionierende Leichtindustrie. Damit werden auch die Vorrausetzungen für einen steigenden Lebensstandard erschaffen.

Es wurden von sowjetischen Ökonomen mathematische und ökonomische Modelle entwickelt, die zeigten, dass bei einer höheren Investition der Schwerindustrie auch der Verbrauch an Konsumgütern, also die Leichtindustrie steigt. Die Schwerindustrie liefert durch ihre Erzeugung von Energie, Förderung von Rohstoffen und dem Bau von Maschinen die Grundlagen der Leichtindustrie. Ohne diese geschaffenen Werte ist eine Leichtindustrie auf lange Sicht nicht haltbar; es würde zu großen ökonomischen Problemen führen.

3. Kollektivierung der Landwirtschaft

Ein besonderer Aspekt der sowjetischen Planwirtschaft war die Kollektivierung und Mechanisierung der Landwirtschaft.

Der allgemeine Vorwurf: Die Kollektivierung der Landwirtschaft ruinierte die Bauern und führte zu Hungersnöten. Bevor jedoch dieser Vorwurf widerlegt wird, sollen auch hier einige Aspekte zur Agrarwirtschaft im vorrevolutionären Russland erläutert werden:

Russland hatte relativ ungünstige Bedingungen für eine funktionierende Agrarwirtschaft: nur 1,4% der Landfläche hatten die beste Kombination von Niederschlag und Temperatur für den Anbau von Getreide, verglichen mit 56% der USA.

Russland war geplagt von Hungersnöten und schlechten Ernten: Zwischen 1800 und 1854 gab es 35 Missernten, zwischen 1891 und 1910 gab es 13 schlechte Ernten, 3 Jahre Hungernot und nur 4 gute Ernten. Auch in den 1920ern hatte die Landwirtschaft mehrere Probleme:

Zwischen 1918 und 1927 gab es 5 schlechte Ernten, 2 Hungerjahre und nur 3 gute Ernten.

Dabei waren nicht nur die ökologischen Bedingungen Russlands ungünstig: Auch die Landwirtschaft war sehr primitiv organisiert: Es überwiegte Handarbeit, Maschinen und Traktoren gab es so gut wie gar nicht und die meisten mittelgroßen Bauernhöfe waren bestenfalls Selbstversorger. Die Lebenssituation der allermeisten Bauern war miserabel: Es war geprägt von harter Arbeit, mangelnder Ernährung und medizinischer Versorgung, sowie nicht vorhandenen Bildungsmöglichkeiten. Lediglich die sog. Kulaken profitierten von der Lage, sie kontrollierten desweiteren auch einen Großteil des Getreides auf dem Markt zum Verkauf.

Um die Landwirtschaft zu modernisieren und das Land industrialisieren zu können, war also die Kollektivierung der Landwirtschaft eine Notwendigkeit. Nur so konnte das Land sicher ernährt werden und Arbeitskräfte frei werden für die Industrie.

Anders als gerne von Feinden der Sowjetunion behauptet, hatte die Kollektivierung der Landwirtschaft eine Massenbasis, war also keine Zwangskollektivierung. Die Klasse der Bauern in der Sowjetunion war nicht homogen, sondern hatte drei entscheidende Schichten: Auf der einen Seite eine ausbeuterische Minderheit, die Klasse der Kulaken, auf der anderen Seite die Mehrheit der Dorfarmut: die Kleinbauern, die Selbstversorger waren, die landlosen Dorfarbeiter und die Dorfarmut. Zwischen diesen beiden Schichten gab es die Mittelbauern.

Als die Kollektivierung der Landwirtschaft beschlossen werden sollte, gab es heftige Diskussionen in der Partei, bei der sich unterschiedliche Klasseninteressen widerspiegelten. Gemäß der Positionen Lenins und Stalins sollte die Kollektivierung auf ein Bündnis der Dorfarmut mit den Mittelbauern für die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft basieren.

Diese Positionen Lenins und Stalins zur Bauernfrage stehen im Gegensatz zur sog. Linken oder Rechten Opposition.

Die linke Abweichung, basierend auf die Positionen Trotzkis, hatte keine Unterschiede in der Bauernklasse gemacht. Alle Bauern wurden als reaktionär und Instrument für die kapitalistische Restauration angesehen. Dies wird deutlich in Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution, welche Lenin als linksradikalen Unsinn abgestempelt hat.

Die “Linke Opposition” war für eine frühzeitige, rücksichtslose Kollektivierung der Landwirtschaft per Dekret zu Beginn der 20er Jahre, obwohl die Zeit dazu noch nicht reif war:

Denn die Kulaken waren noch zu stark und die Kollektivwirtschaften noch zu schwach.

Tatsächlich war es Trotzki, der zusammen mit Sinowjew 1925 in bürokratischer Manier forderte, dass man die Kulaken als Klasse per Dekret auflösen könne und so folglich die Kollektivierung der Landwirtschaft vorantreiben, ja durchpeitschen muss.

Stalin war sich hingegen der Situation des Klassenkampfes bewusst und argumentierte, dass der Kampf gegen die Kulaken nur durch ein Bündnis der armen Bauernschichten mit den Mittelbauern sowie einer Stärkung der bisherigen Kollektivwirtschaften ermöglicht werden kann. So konnte man Ende der 20er Jahre zur Kollektivierung der Landwirtschaft übergehen, weil die Zeit dafür reif war.

Besonders interessant ist, als 1928, nachdem die “Linke Opposition” geschlagen war, Trotzki ein Scheitern der Kollektivierung sah: Er forderte sogar 1930 eine Beendigung der Politik der Entkulakisierung (also folglich eine Beibehaltung der NEP, die er vorher vehement abgelehnt hat). 1933, nachdem die Kollektivierung im Wesentlichen abgeschlossen war, forderte Trotzki sogar in seinem Bulletin der Opposition eine Auflösung der Staats- und Kollektivfarmen, weil sie angeblich ineffizient seien.

Die Rechte Abweichung, vertreten durch Bucharin, war gegen die Kollektivierung der Landwirtschaft und Gegner der Entkulakisierung. Sie wollten eine Beibehaltung der NEP.

Doch hätte es mit der NEP eine Industrialisierung geben können?

Nein, denn die NEP wurde nur als Notlösung verstanden und hätte der Industrialisierung und dem Aufbau des Sozialismus langfristig nur im Wege gestanden.

Der sozialistische Aufbau wäre durch die Klassenstruktur der NEP mit reichen Kulaken und Handelsmännern behindert worden.

Die primitive Landwirtschaft hätte eine Industrialisierung nicht ermöglicht, da sie die Versorgung der Städte und damit der Industrie nicht aufrechterhalten konnte.

Tatsächlich verlief die Kollektivierung schneller als geplant und viele Funktionäre vor Ort verstießen gegen Direktiven des ZK, so dass eine Menge Bauern in die Kolchosen gezwungen wurden.

Dies veranlasste Stalin im März 1930 den Artikel “Vor Erfolgen von Schwindeln befallen” zu verfassen, in dem er die Verletzung der Freiwilligkeit bei der Bildung von Kolchosen kritisierte. Außerdem kritisierte er, dass Mittelbauern oft als Kulaken bezichtigt wurden. Es wurde eine Resolution erstellt, die diese Punkte Stalins aufgriff und z. B. Bauern die als Kulaken zu Unrecht bezichtigt wurden rehabilitiert wurden.

Da die Parteiarbeit auf dem Lande noch schlecht organisiert war, wurden in den Städten 250.000 Kommunisten mobilisiert und ins Land geschickt.

Zusätzlich sollten 25.000 der erfahrensten Arbeiter aufs Land geschickt werden, um bei der Organisation der Kolchosen zu helfen. Sie halfen bei der Organisation der Agrarproduktion und der Agitation und Propaganda. Gleichzeitigt kritisierten sie Parteifunktionäre, die auf bürokratische Manier Bauern mit Gewalt in die Kolchose zwingen wollten.

Die Lage war jedoch als solche nicht einfach, da Kulaken natürlich Widerstand leisteten: Kommunisten  und Kolchosbauern wurden ermordet, Vieh wurde abgeschlachtet, Getreide gehortet oder nicht geerntet und Mittelbauern, wie arme Bauern gegen die gottlosen Kommunisten aufgehetzt. Dies führte dazu, dass gegen die Kulaken repressiv vorgegangen werden musste: Es war eine Situation des verschärften Klassenkampfes.

Die Liquidierung der Kulaken meinte übrigens nicht ihre physische Vernichtung, sondern ihre Enteignung als Klasse.

Etwa 380.000 Kulakenfamilien wurden enteignet und in entlegene Gebiete der UdSSR geschickt. Bevölkerungsstatistiken geben übrigens an, dass ein Großteil der in diese Gebiete exilierten überlebten. Nur etwa 63.000 Kulaken wurden als Konterrevolutionäre bestraft.

Entgegen der antikommunistischen Propaganda war die Kollektivierung der Landwirtschaft ein Erfolg.

Durch die Errichtung der Maschinen-Traktoren-Stationen, die Staatseigentum waren, wurden die Kollektivwirtschaften entlastet, da die Wartung der Maschinen, sowie die Ausbildung der Fachkräfte in großem Rahmen vom Staat getragen wurde.

In der Ukraine nahmen z. B. während der ersten Wochen des Jahres 1930 rd. 275.000 Bauern an fast 4000 Kurzlehrgängen teil, die das Bedienen von Traktoren, Ernte- und Aussaatmethoden etc. erklärten.

Das zaristische Dorf war geprägt durch eine marode Infrastruktur und die Kirche. Sowjetische Dörfer erhielten Kinos, Schulen, Laboratorien, Bibliotheken, Kliniken, Kulturzentren usw.

Diese und viele andere Fortschritte widerspiegeln die kontinuierliche Investitionssteigerung in der Landwirtschaft.

Betrug die Investitionsmenge 1928: 379 Mill. Rubel, so waren es 1934: 4,6 Mrd. Rubel, und 1935 fast 5 Mrd. Rubel.

Eine Landbevölkerung, die sich zwischen 1926 und 1940 von 120 auf 132 Millionen vermehrte, konnte eine Stadtbevölkerung ernähren, die im gleichen Zeitraum von 26,3 auf 61 Millionen angestiegen war. Wir haben hier also eine enorme Steigerung der Produktivkraft.

So sank z. B. die körperliche Arbeit zur Produktion von Getreide 1920 von 20,8 Arbeitstagen pro Hektar auf 10,6 im Jahr 1931.

Die Kollektivierung der Landwirtschaft modernisierte die russische Bauernschaft und legte die Grundlage für die moderne Nahrungsmittelproduktion.

Es besteht aber immer noch der Vorwurf, die Kollektivierung der Landwirtschaft habe zu einer großen Hungersnot 1932/33 geführt. Von einigen Faschisten wird behauptet, dass Stalin einen bewussten Völkermord gegen die Ukraine plante, dem sogenannten Holodomor, an dem 6 Mio. Ukrainer zum Opfer gefallen sind. Doch tatsächlich war es so, dass nach der Kollektivierung der Landwirtschaft die lange Periode der Hungersnöte in der Sowjetunion ein Ende fand. Die letzte Hungersnot fand 1946 aufgrund der Zerstörungen des zweiten Weltkrieges statt und konnte schnell gelöst werden. Danach gehörten die periodisch auftretenden Hungersnöte und Missernten der Vergangenheit an, dies ist er Kollektivierung zu verdanken.

Der Agrarwissenschaftler Mark Tauger publizierte eine Reihe an Fachliteratur zur Agrarwirtschaft der Sowjetunion und zur Hungersnot 1932.

Marc Taugers Aussagen sind:

Es gab zwar 1932 eine Hungersnot, sie betraf aber nicht nur die Ukraine, sondern auch andere Gegenden und die Opferzahlen werden von Antikommunisten maßlos übertrieben. Ein Völkermord an den Ukrainern hatte es nie gegeben, die Hungersnot war nicht ein geplanter Versuch Stalins, die Ukrainer oder die Bauern zu unterdrücken. Als die Hungersnot da war, wurden z. B. Abgabequoten der Bauern reduziert, Exporte reduziert, Importe erhöht, Bauernmärkte zugelassen etc.

Ursache für die Hungersnot 1932 waren hauptsächlich klimatische Faktoren, Epidemien wie Typhus, sowie Schädlinge.

Einen Teil dazu haben auch die Widerstände der Kulaken beigetragen durch Abschlachtung von Vieh, Verbrennen und Horten von Getreide etc.

Tauger beweist aber auch, dass Bauern nicht nur Widerstand leisteten: Es gab Unterstützung für die Kollektivierung.

Ein anderer Autor, Douglas Tottle, hatte in seinem in den 1980ern erschienen Buch: “Fraud Famine and Fascism” festgestellt, dass die Propaganda des Holodomors eine Kampagne der Nazis, ukrainischen Nazi-Kollaborateuren und der Hearst-Presse in den USA war. William Hearst, der Eigentümer über ein riesiges Medienmonopol in den USA, war ein Bewunderer Hitlers.

Die meisten, wenn nicht sogar alle, von der Hearst-Presse veröffentlichten Bilder, die angeblich aus der Hungersnot 1932 stammen sollten, waren tatsächlich welche aus der Hungersnot 1922 an der Wolga oder aus dem Ersten Weltkrieg.

4. Industrialisierung

Entsprechend der Erfolge der Landwirtschaft sahen auch die Erfolge in der Industrie aus.

So stieg die Stahlproduktion von 3,3 Mio. Tonnen 1927 auf fast 15 Mio. Tonnen 1940. In dieser Zeit verdreifachte sich die Förderung von Erdöl und die Kohleproduktion stieg von 10 Mio. t auf 73 Mio. t im Jahr.

1914 hatte Russland keine oder eine sehr schwach entwickelte Werkzeugmaschinen-Produktion, 1939 wurden über 58.000 verschiedene Werkzeugmaschinentypen hergestellt.

Ganze neue Industriezweige wurden entwickelt: Herstellung von Traktoren,  die Entwicklung einer chemischen Industrie, Walzwerke, Präzisionsinstrumente, Lokomotiven, Flugzeuge etc.

Während der Zeit der Fünfjahrpläne wurden enorme Industriezentren geschaffen, so das Wasserkraftwerk am Dnjepr, das Traktorenwerk in Stalingrad, die Errichtung eines zweiten Kohlelagers in Kusnetsk und die Errichtung der Stahlwerke in Magnitogorsk.

Im zweiten Fünfjahrplan wurde vor allem auf eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität ein Auge geworfen: Sie stieg zwischen 1933 und 1937 um 65% in der Industrie.

Besonders die asiatischen Republiken profitierten von der Industrialisierung: 1934 wurden z. B. 50% der Investitionen für die Entwicklung in den asiatischen Republiken bereit gestellt.

Die Stärke der sowjetischen Planwirtschaft zeichnete sich dadurch aus, dass sie in der Lage war, während des Zweiten Weltkrieges fast 2600 Fabriken zwischen Juli und November 1941 umzusiedeln, sie ermöglichte die Zerschlagung des Faschismus und befreite Europa von dieser abscheulichsten Form kapitalistischer Ausbeutung.

Entwicklung Leichtindustrie:

Es wird fast immer behauptet, dass zwar die Sowjetunion in der Förderung von Rohstoffen große Erfolge hatte, doch dies unter großen Entbehrungen der Arbeiter. Es wird behauptet, der sowjetischen Arbeiterklasse ginge es in den 1930ern schlechter als vor der Revolution.

Es wirkt schon grotesk, dass die antikommunistischen Ideologen die Entbehrungen der Arbeiterklasse in der Sowjetunion ermahnen, aber zur Industrialisierung in Westeuropa, mit ihrem 14 Stundentag und der Kinderarbeit schweigen oder kleinreden. Erst recht die miserablen Arbeitsbedingungen in den Fabriken der sog. Dritten Welt.

Wenn man sich die Direktiven des Ersten Fünfjahresplans anschaut, wird man feststellen, dass die Konsumgüterindustrie nicht vernachlässigt wurde. Tatsächlich sank aber zuerst der Konsum im Ersten Fünfjahresplan. Das hatte mehrere Ursachen:

Die Maschinen zur Produktion der Konsumgüter mussten erst mal hergestellt werden: Man musste zuerst die Ingenieursarbeit leisten, es musste das Energieproblem gelöst werden, Transportwege geschaffen werden usw.

Es sei hier an den bereits erwähnten Wirtschaftshistoriker Robert C. Allen und sein Buch “Farm to factory” verwiesen. Dort widerlegt er den Mythos der schlechten Versorgung der sowjetischen Bevölkerung:

Das enorme Wachstum der Städte, hervorgerufen durch die Landflucht der Bauern, habe zwar zu einer Verschlechterung der Wohnsituation geführt, das ist aber typisch für alle Länder, die durch die Industrialisierung gehen.

Entscheidend sei hier, wie schnell sich diese Situation verbessere. Während in der Dritten Welt Slums weit verbreitet sind, sei es zu einer enormen Verbesserung der Wohnsituation und der sanitären Einrichtungen in der Sowjetunion nach dem 2. Weltkrieg gekommen.

Der Konsum sank zwar während des Ersten Fünfjahresplans, stieg aber danach tatsächlich enorm an. Ende der 30er Jahre stieg die Produktion von Konsumgütern um 80%. Es seien noch weitere Aspekte erwähnt:

Ein Großteil  der Nahrung wurde in den Fabrikkantinen bereit gestellt, die wesentlich günstiger waren als in den Geschäften.

Es arbeiteten auch mehr Menschen pro Familie und  die Familien wurden kleiner. Das verbesserte die Lebenssituation ebenfalls.

Viele Arbeiter waren vor 1928 gar keine: Sie waren Bauern und lebten oft in ärmlichen Verhältnissen.

Viele Arbeiter konnten beruflich aufsteigen, ihre Fertigkeiten verbessern und so mehr verdienen. Daher kann von einem Sinken des Lebensstandards nicht gesprochen werden.

5. Sozialer Fortschritt:

Ein entscheidender Aspekt zur Steigerung der Lebensqualität und zeigt sich aber auch in den sozialen Leistungen, einiges sei aufgezählt:

Die Beseitigung der Arbeitslosigkeit, es gab ein Recht auf Arbeit, Mutterschaftsurlaub, bezahlter Urlaub, Einführung des 7-Stundentages, Errichtung von Sanatorien und Erholungsheimen, Renten im Alter und Fortzahlung des Lohns bei Krankheit, kostenlose medizinische Behandlung und ein kostenloses Bildungssystem -> Das sind garantierte Rechte, die auch in der Verfassung festgelegt wurden.

Der Staat regulierte alle Preise und subventionierte die Preise für Grundnahrungsmittel und Wohnungswesen. Mieten machten etwa 2 – 3% des Familien-Budgets aus; Wasser und Nebenkosten 4 – 5%.

Gab es vor dem 1. Weltkrieg nur 20.000 Ärzte, 175.000 Krankenhausbetten und 11.000 Krippenplätze, gab es zum Ende des 1. Fünfjahrplans: 76.000 Ärzte, 330.000 Krankenhausbetten, 5.750.000 Krippenplätze.

1937 war das sowjetische Budget fürs Gesundheitswesen 75 mal so hoch wie 1913.

1914 war die Kindersterblichkeit bei 273/1000, 1935 77/1000 und sank weiter.

Die Lebenserwartung stieg von Ende 30 auf Mitte 60, als Stalin starb.

Staatliche Subventionierungen hielten die Preise für Bücher, Zeitschriften und kulturelle Ereignisse auf ein Minimum.

Die UNESCO berichtete, dass sowjetische Bürger mehr Bücher lasen und mehr Filme sahen als irgendein anderes Volk auf der Welt.

Jedes Jahr war die Anzahl der Museumsbesucher fast genauso groß wie die Hälfte der Bevölkerung und die Besucherzahl in Theatern, Konzerten und anderen Aufführungen übertraf die gesamte Bevölkerung.

Weitere Erfolge wurden bei der Gleichberechtigung der Frauen erzielt. Wenn auch die sowjetische Realität weit davon entfernt war das Ideal zu erreichen (so hatten Frauen immer noch einen Großteil der Hausarbeiten und Kindererziehung zu übernehmen), so wurden enorme Fortschritte erzielt:

Man erhielt für gleiche Arbeit gleiches Geld, 1929 machten 25% aller Arbeitskräfte Frauen aus, 1939 43%

1926 waren 31% der Studierenden in Instituten Frauen, 1937 43%, 1955: 52%

1937 waren 16% der gewählten Deputierten des Obersten Sowjets Frauen.

Die sowjetische Regierung unternahm einen enormen Aufwand die Alphabetisierung und den Lebensstandard in den zurückgebliebensten Regionen in den asiatischen Republiken zu heben und die kulturellen Ausdrucksformen der mehr als hundert Nationalitäten Gruppen zu fördern. Z. B. konnten in Kirgisien 1917 nur einer von 500 Leuten lesen und schreiben, 50 Jahre später konnte es fast jeder.

Ehemals unterdrückte Nationen erhielten ihre nationalen Territorien mit eigener offizieller Sprache, eigener Verfassung, eigenen Sowjets etc.

Von der Bildungsoffensive profitierten nicht nur Kinder und Jugendliche. Auch Erwachsene hatten zeitlebens die Möglichkeit sich Weiter- oder Fortzubilden. So hatten alleine 1938 über 4 Mio. Arbeiter Weiterbildungskurse absolviert.

Die Ausgaben für Wissenschaft und Forschung verdreifachten sich zwischen 1927 und 1933 und zwischen 1933 und 1940 verdoppelten sie sich nochmal.

Zwischen 1920 und 1933 stieg die Zahl der Kinos von 9800 auf 29200, die sowjetische Filmindustrie florierte.

Die Auflage von Zeitungen stieg im selben Zeitraum von 12,5 Mio. auf 36,5 Mio.

Die Liste ließe sich bis ins Unendliche fortsetzen.

Sicherlich hatte die sowjetische Bevölkerung einen anderen Lebensstandard als wir heute. Sie konnten nicht zwischen 25 Marken von TV-Geräten auswählen, die alle nach 3 Jahren weggeworfen werden.

Aber Lebensqualität lässt sich nicht daran messen wie viel Geld ich für unnötigen Konsum verschwende, dass dann eh in der Mülltonne landet. Der wirkliche Fortschritt besteht in der Hebung des kulturellen und wissenschaftlichen Niveaus, des zwischenmenschlichen Zusammenlebens und der Befriedigung der wirklichen Bedürfnisse des Menschen, fern ab von Konsumwahn, sog. “Celebrities” und Werbeterror.

6. Notwendigkeit der Planung

All diese Erfolge sind das Ergebnis der Planwirtschaft. Und dennoch hört man so häufig, dass das alles gar nicht funktionieren kann. Dabei hält sich immer noch das Gerücht fest, Planwirtschaft sei bürokratisch, starr und gehe an den Interessen der Bevölkerung vorbei. Ich bin u. a. auf diesen Vorwurf in meinem Buch “Die Sowjetdemokratie und Stalin” eingegangen.

Ich zeigte z. B. auf, dass die Erstellung der Pläne sich auf eine möglichst breite Masseninitiative stützte und von Diskussionen, Verbesserungsvorschlägen, Auswertungen und Kontrollen begleitet waren. Der Plan als solcher war nie ein fertiges Konstrukt, das nach dem Prinzip der Kommandowirtschaft durchgepresst wurde. Falsch ist die Vorstellung eine Planungsbehörde entscheide diktatorisch über das Schicksal des Landes und zwinge Fabriken (und Arbeitern) auf, irgendetwas zu produzieren. Tatsächlich ist die Erstellung und Ausführung des Plans ein komplexer, demokratischer Vorgang, der von der Initiative der Massen lebt. Lassen wir Stalin zu Wort kommen:

“Für uns Bolschewiki ist der Fünfjahrplan nicht etwas Abgeschlossenes und ein für allemal Gegebenes. Für uns ist der Fünfjahrplan wie jeder andere Plan nur ein Plan, der als erste Nahrung angenommen ist, der auf Grund der an Ort und Stelle gemachten Erfahrungen, auf Grund der bei der Durchführung des Plans gemachten Erfahrungen präzisiert, geändert und vervollkommnet werden muss. Kein Fünfjahrplan kann all die Möglichkeiten berücksichtigen, die im Schoße unserer Gesellschaftsordnung schlummern und erst im Prozess der Arbeit, im Prozess der Durchführung des Plans in der Fabrik, in der Kollektivwirtschaft, in der Sowjetwirtschaft, im Rayon usw. zum Vorschein kommen. Nur Bürokraten können glauben, die Planungsarbeit sei mit der Aufstellung des Plans beendet. Die Aufstellung des Plans ist nur der Anfang der Planung. Die richtige planmäßige Führung entwickelt sich erst nach Aufstellung des Plans, nach Überprüfung an Ort und Stelle, im Prozess der Realisierung, der Korrektur und der Präzisierung des Plans.“ (Stalin, J.W., Politischer Rechenschaftsbericht auf dem 16. Parteitag 1930 S. 113 meines Buches)

Bei der Planwirtschaft waren, neben der Vielzahl wissenschaftlicher Konferenzen, Expeditionen und Kommissionen, die von den Gewerkschaften organisierten Produktionsberatungen von größter Wichtigkeit. Diese hatten zum Ziel, dass sich die Belegschaft, insbesondere die Arbeiter, mit den Planvorgaben auseinandersetzten, diese diskutierten und Verbesserungsvorschläge machten. Es entstand eine breite Masseninitiative in der bald Millionen von Arbeitern teilnahmen und tausende von Verbesserungsvorschlägen machten. Aus diesen Produktionsberatungen entstand der sozialistische Wettbewerb, der zum Ziel hatte, dass die Arbeiter basierend auf Eigeninitiative die Produktionsmethoden verbesserten und so die Arbeitsproduktivität steigerten. Der sozialistische Wettbewerb hatte nicht zum Ziel Konkurrenten auszuschalten, sondern die Arbeiter und Betriebe halfen einander, sich zu verbessern.

Der Höhepunkt des Wettbewerbs wurde mit der Stachanow-Bewegung erreicht, benannt nach Alexej Stachanow, der seine Normen während einer Schicht um das 15-fache erhöhte. Das Selbstbewusstsein der Arbeiter wurde gestärkt, sie verbesserten ihre materielle Lage, wurden politisch gebildeter, kritisierten Betriebsleiter und Parteifunktionäre und hatten seitens der sowjetischen Regierung ihre vollste Unterstützung. Anders als die Behauptung Trotzkis oder anderer Kritiker führte die Stachanow-Bewegung nicht zur Ausbildung einer Arbeiteraristokratie, da jeder Arbeiter die Möglichkeit hatte (und sie der größte Teil auch nutzte!) Stachanow-Arbeiter zu werden.

Ein bürgerlicher Autor namens Michael Gelb verfasste in einer Studie aus dem Jahr 1990 zur Massenpolitik im Stalinismus zur Stachanow-Bewegung Folgendes:

“(…) Die Bewegung unterschied nicht zwischen Russen und Kasachen, männlich und weiblich, jung und alt. Die Erfinderischen und Energischen konnten nicht nur darauf hoffen Auszeichnungen, Prämien und höhere Löhne zu erhalten, sondern auch Bildung, beruflichen Aufstieg oder ein Sprungbrett in die Politik. Der Stachanowismus war ein zentraler Bereich des Regimes zur Förderung technischer Ausbildung, unterstützt durch eine Reihe Fabrik-basierender Kurse, die es Arbeitern erlaubten zu studieren, ohne ihren Arbeitsplatz verlassen zu müssen. Für Menschen, deren Eltern Analphabeten und Großeltern Leibeigene waren, kann der Wert dieser Tatsache nicht übertrieben genug dargestellt werden. Technische Ausbildung für die Massen, zusammen mit dem dadurch möglichen sozialen Aufstieg, war eine der wichtigsten sozialen Grundlagen für Stalins Beliebtheit.

Auf einer eher allgemeinen Ebene verkörperte der Stachanowismus die utopische Vorstellung, dass eines Tages Arbeiter die Fähigkeit haben werden, die Industrie ohne Anleitung der Manager und Ingenieure führen zu können. Stalin sagte, dass es Ziel des Stachanowismus sei, die Unterschiede zwischen geistiger und körperlicher Arbeit abzubauen und das ‘kulturell-technische Niveau’ der einfachen Arbeiter (…) zu heben. (…) [Der] Stachanowismus [war] das Bemühen, das kreative Potential eines jeden Individuums zu befreien. Es war eine Industrie-Politik, die die Selbstachtung der Arbeiter ermutigte und die Verpflichtung der Gesellschaft für dieses Bemühen anerkannte.” (Mass Politics under Stalinism: Two Case Studies by Michael Gelb)

Es sei an dieser Stelle noch zuletzt erwähnt, dass ein Großteil der Leitung, Planung und Kontrolle des Staates und der Wirtschaft von Millionen Freiwilligen geführt wurde.

Millionen sowjetischer Bürger beteiligten sich z. B. an freiwilligen Feuerwehren, freiwilligen Wachmannschaften, die kleine Funktionen der Polizei übernahmen, Genossenschafs-Gerichte, die sich mit kleinen Vergehen befassten, verschiedene Straßen-, Park-, Haus- Schul- und Sanitätskomitees und kulturelle Gremien, die auf lokaler Ebene wirkten etc.

Auch gab es Freiwillige im wirtschaftlichen Bereich: Statistik- und Prüfungs-Komitees, Inspektoren, technische Gremien usw. Ihre Funktionen reichten von Beraterfunktionen für das Management über Rechnungsprüfungen hin zu Inspektionen des Betriebsablaufs.

Die Industrialisierung, die Planung und Leitung der Gesellschaft stützte sich auf den Enthusiasmus und die Initiative der Massen.

Dieser Prozess der Planung war natürlich nicht perfekt und muss durch Erfahrung und Bildung ausgebessert werden, doch in der Sowjetunion wurden diesbezüglich gute Erfahrungen gemacht.

Um meinen Vortrag mit den Worten Winston Churchills zu beenden:

“Stalin übernahm das Rußland des Hakenpflugs und hinterließ es im Besitz der Atomwaffe.”

Ich bedanke mich für ihr Zuhören.

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